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Wann werden Privatverkäufe im Internet gewerblich?

12. November 2015

Wann werden Privatverkäufe im Internet gewerblich?

Sie haben ausgemistet. Keller, Dachboden und Rumpelkammer sind nun aufgeräumt und unter allerhand Gerümpel haben Sie tatsächlich den einen oder anderen Schatz gefunden, den Sie online versteigern möchten. Neben bekannten Online-Auktionshäusern wie eBay gibt es mittlerweile viele App-basierte Verkaufsportale wie Shpock oder Stuffle. Hier können Sie privat Dinge verkaufen, für die Sie keine Verwendung mehr haben. Auf den meisten dieser Plattformen bieten auch gewerbliche Verkäufer Ihre Ware interessierten Kunden an. Für die Nutzer der Plattformen stellt sich daher die Frage, ab wann eine private Auktion gewerblich wird und welche Folgen dieses hat?

Das Gesetz definiert eindeutig, wann ein gewerblicher Handel vorliegt. So wird nach Auslegung des § 15 (2) des Einkommensteuergesetzes (EStG) genau dann gewerblicher Handel betrieben, wenn sich der Betreiber selbstständig auf dem Markt betätigt und zwar mit der Absicht, Gewinne zu erzielen. Was in der Theorie so simpel klingt, ist jedoch in der Praxis beim Online-Handel nicht immer sofort offensichtlich. In der Vergangenheit haben Gerichte hier unterschiedlich geurteilt, wann ein Handel gewerblich war und wann nicht.

Ein gewerblicher Handel liegt in der Regel dann vor, wenn Sie:

  • kontinuierlich große Artikelmengen verkaufen
  • Güter erwerben, um sie anschließend zu veräußern
  • Güter selbst anfertigen, um diese dann wieder zu verkaufen
  • über einen längeren Zeitraum gleichartige Waren, insbesondere Neuwaren anbieten
  • kontinuierlich Neuware anbieten, die sie ursprünglich nicht zu ihrem eigenen Gebrauch erworben haben
  • häufig im Auftrag Dritter Waren kaufen und verkaufen
  • für Ihr Unternehmen einkaufen
  • wenn Sie einen eigenen Shop auf einer Verkaufsplattform betreiben
  • wenn Ihr Geschäftsgebaren vor, während und nach dem Kauf einen professionellen Eindruck vermittelt (Beispiele sind AGBs, Werbeflyer etc.)

Sie handeln in der Regel privat, wenn Sie:

  • gelegentlich unterschiedliche Güter aus Ihrem Privatbesitz veräußern, für die Sie keine Verwendung mehr haben – und die einen begrenzten Wert haben

Wenn Sie Artikel auf den Auktionsplattformen privat verkaufen möchten, dann kennzeichnen Sie Ihre Ware entsprechend als Privatverkauf. Machen Sie potenzielle Käufer darauf aufmerksam, dass Sie keine Gewährleistung auf das Produkt geben und es auch nicht zurücknehmen müssen. Große Mengen wie Bücher oder Babykleidung verkaufen Sie am besten im Paket. Seien Sie sich darüber bewusst, dass das Finanzamt auf Ihre Aktivitäten aufmerksam werden kann und Sie gegebenenfalls auffordert, Ihren Gewinn zu versteuern. Ebenfalls unter die Lupe nehmen kann Sie der Wettbewerb. Einige Händler kennzeichnen Ihre angebotenen Artikel nur zum Schein als Privatverkäufe, tatsächlich erfüllen sie aber die Merkmale für ein Gewerbe. Doch Vorsicht, gewerbliche Händler, die sich auch als solche zu erkennen geben, können vermeintliche Privatverkäufer schonungslos abmahnen. Diese befürchten nämlich Wettbewerbsnachteile, da sie auf ihre Gewinne Steuern abführen müssen, wozu private Anbieter nicht verpflichtet sind. Zudem unterliegen gewerbliche Verkäufer anderen rechtlichen Vorgaben. Rücknahmebedingungen, Gewährleistungskennzeichnungen, Steuernummer und Adresse des Anbieters müssen beispielsweise in der Auktion genannt werden.

Dieser Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung.

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