Blog

Viele interessante Beiträge und Wissenswertes rund um das Thema Finanzen.

Niedrigzinsen Teil 2: Die Auswirkungen auf Banken und Finanzdienstleister

01. Februar 2017

Niedrigzinsphase Teil 2: Die Auswirkungen auf die Banken und Finanzdienstleister

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat ganz direkte Auswirkungen auf den Kapitalmarkt. Weil sich Banken zu den niedrigen Leitzinsen Geld von der EZB leihen können, ist dieser Zinssatz zunächst der Maßstab für praktisch alle kurzfristigen Geldanlagegeschäfte. In wirtschaftlicher Hinsicht haben Banken die Wahl, ob sie sich auf flexible Weise Geld von der Zentralbank leihen oder von ihren Kunden, indem sie ihnen beispielsweise ein Angebot für ein Tagesgeldkonto machen. Daher weichen die Konditionen für kurzfristige Geldanlagen meist nur geringfügig vom aktuellen EZB-Leitzins ab – und dieser liegt derzeit bei exakt Null Prozent.

Kaum höher sind die Langfristzinsen, die unter anderem für Baufinanzierung mit mittel- bis längerfristiger Zinsbindung oder langlaufende Sparbriefe maßgebend sind. Hier wird das Zinsniveau durch Angebot und Nachfrage am Kapitalmarkt bestimmt. Je größer die Nachfrage nach sicheren Zinsanlagen wie beispielsweise Bundesanleihen, umso niedriger wird der Marktzins. Derzeit ist die Nachfrage so hoch, dass Investoren phasenweise sogar bereit sind, beim Erwerb von Schuldverschreibungen der Bundesrepublik Deutschland Negativzinsen in Kauf zu nehmen.

Selbst wenn Banken ihren Kunden nur eine minimale Verzinsung für ihre Einlagen anbieten, resultiert daraus für das Geldinstitut ein Verlustgeschäft: Wenn die Bank das Anlagekapital ihrer Kunden wieder anlegt, erhält sie keine Zinsen, sondern muss häufig sogar selbst noch Negativzinsen bezahlen. Die klassische Rechnung, dass eine Bank aus der Differenz zwischen dem Anlagezins für Kunden und den eigenen Zinserträgen für das investierte Kapital Erträge erwirtschaft, funktioniert derzeit nicht mehr. Das wirkt sich auch auf die Gebühren für Girokonten aus. Bislang wurden oftmals kostenlose Girokonten, die für die Bank keine Gebühreneinnahmen bringen, über die Zinserträge intern quersubventioniert. Da dies nun nicht mehr möglich ist, gehen derzeit etliche Banken dazu über, für zuvor kostenlose Konten Entgelte zu erheben, die den damit verbundenen Verwaltungsaufwand abdecken.

Ebenfalls betroffen sind Anbieter von Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen. Beim Versicherungssparen wird ein großer Teil des Anlagekapitals in risikoarme Zinsanlagen investiert, die aktuell nur niedrige Renditen bringen. Entsprechend mager fällt daher momentan der Kapitalzuwachs für die Inhaber solcher Policen aus.

Was bei Anlegern für Frust sorgt, macht Kreditnehmern Freude, denn auch hier befinden sich die Zinsen derzeit auf einem Rekordtief. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Verbraucher bei der Aufnahme eines Ratenkredites mit acht oder zehn Prozent Zinsen rechnen mussten.

Auch Baufinanzierungen sind noch immer so günstig wie nie zuvor, so dass Bauherren ihren Traum von den eigenen vier Wänden zu historisch geringen Finanzierungskosten verwirklichen können.

beliebteste Tags

Baufinanzierung • Kreditkarte • Sicherheit • Geldanlage • Hypothekenzinsen